„SchablaPumfa“ – in Rahmen der Einweihung des Constanze-Mozart-Boulevards (2010)

Constanze Mozart und ihre Schwester Aloysia, eine der größten Mozartinterpretinnen, besuchen in Begleitung von Mozarts Kammerdiener Joseph ihren Geburtsort Zell. Die lebenslangen Rivalinnen um die Liebe Mozarts flanieren gemeinsam durch die Straßen, folgen den Stationen auf dem Boulevard und liefern sich dabei bissige Wortgefechte und Eifersuchtsszenen.

Quelle: Foto-Design G. Decker Quelle: Foto-Design G. Decker

Der Kammerdiener Joseph, der über alles im Hause Mozart bestens im Bilde ist, versucht zwischen den beiden Schwestern mit viel Charme und Wiener Schmäh zu schlichten und macht dabei amüsante Bemerkungen über den neuen "Walk of Fame" im beschaulichen Städtchen ("fast wie eine Prachtstraße in Paris…").

Auf ihrem Rundgang begegnen sie der Dreikönigs-Wirtin, die das Geheimnis um die Flucht der Familie Weber aus Zell lüftet, und dem Schauspieldirektor Schikaneder in seiner Rolle als erster „Papageno“, mit dem Constanze noch eine Rechnung offen hat.

Dieses Straßentheater interpretiert Constanzes Spitznamen „SchablaPumfa“, den ihr Mozart in einer Laune auf einer Reise nach Prag gegeben hat. Bislang konnte dieser von keinem Mozartexperten entschlüsselt werden. Heidi Knoblich sieht darin eine Anspielung auf Constanzes übertriebene Sparsamkeit (Schabla) und ihrem aufbrausenden Wesen (Pumfa).

Die Inszenierung endete in einem Konzert mit dem Streichorchester, der Vogelfänger-Arie des Papageno aus Mozarts „Zauberflöte“ und der ersten Arie, die Mozart Aloysia Weber widmete, als er ihr zum ersten Mal in Mannheim begegnete; sie war damals gerade 15 Jahre alt und konnte sich beim Vortrag dieser hoch komplizierten Arie selbst auf dem Klavier begleiten, worauf Mozart sich unsterblich in sie verliebt haben soll.

Nach der Inszenierung wurde in einer originalgetreuen Wiener Limonadenbude Himbeer- und Zitronenlimonade ausgeschenkt.

Natürlich hat sich die Verfasserin bei dieser Getränkeauswahl etwas gedacht:

"Und trincke dir zur Ehr ein ganzes Schallerl,Coffé und dann auch thée und limonadi", heißt es in einem Scherzgedicht von Wolfgang Amadeus Mozart an die Kammerjungfer Rosalie Joly Limonade war das Mode-Getränk in Mozarts Wiener Zeit. Sie wurde den Sommer über in Limonadenbuden ausgeschenkt, die in den breiteren Straßen und auf den größten Plätzen der Stadt aufgerichtet wurden. Daneben wurden Konzerte gegeben, traten Schausteller und Komödianten auf. Kaiser Joseph II., der aus Sparsamkeit auf ein eigenes Hofleben verzichtete, verlagerte das ganze gesellschaftliche Treiben auf diese Plätze. Neben Fürsten und Grafen, die sich von der kaiserlichen Sparsamkeit keineswegs anstecken ließen, waren auch Mozart und Constanze oft an diesen Limonadenbuden anzutreffen, vor ihrer Verlobung stets in Begleitung der Frau Mama Weber. Die Wiener Klatschmäuler hatten Hochsaison: Constanze war erst 19 Jahre alt und Halbwaise. Nach dem damaligen Gesetz fehlten ihr noch fünf Jahre bis zur Volljährigkeit.

Straßentheater

Textbuch und Regie: Heidi Knoblich

Initiator des Constanze-Mozart-Boulevards: Heinz-Werner Seger

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Montag 12. Juli 2010

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Badische Zeitung, 12. Juli 2010