Winteräpfel

Auf sie warte einmal eine große Aufgabe, bekam Fanny Mayer von ihrer Basler Dienstherrin prophezeit. Von Neugier getrieben suchte sie heimlich eine Wahrsagerin auf. Diese sah jedoch nichts von einer großen Aufgabe, sagte Fanny jedoch voraus, dass sie nicht eher sterben werde als dass sie als alte Frau am Stock zur Kirche gehe.  Fanny Mayer weigerte sich bis ins hohe Alter, einen Stock zu benutzen. Mit ihrem Lebensmotto „Man kann alles, wenn man will“ erfüllte sie ihre Aufgabe als Pionierin des Skisports und des Fremdenverkehrs. 

Franziska Henriette Mayer, am 8. April 1851 in Freiburg im Breisgau geboren, wurde als Feldbergmutter weit über die Landesgrenzen zum Inbegriff der Schwarzwälder Gastlichkeit. Leben hieß für sie, mit Initiative etwas Unbekanntes zu erobern und mit Gottvertrauen Dinge anzupacken, deren Ausgang sie nicht kannte. Sie liebte Musik und Tanz und das Cegospiel. Ihre Weitsicht und ihre fast übermenschliche Energie machten den "Feldberger Hof" zum bedeutendsten Berghotel Badens - und ihre Gäste kamen aus aller Welt.

Legendäre Gastlichkeit einer Schwarzwälderin nahm in Basel ihren Anfang

Fannys Weg zur Schwarzwaldlegende nahm ihren Anfang mit der Einstellung in einem vornehmen Haus am Basler Petersgraben. Dort nämlich wurde Franziska Henriette Mayer aus dem badischen Freiburg mit 18 Jahren Gesellschaftsdame und Haushälterin der Frau Gemuseus-Legrand, deren Familien 1791 von den Jakobinern aus Frankreich vertrieben worden waren. Ein nach ehernen Gesetzen geführtes Hauswesen wurde dem jungen Mädchen unterstellt; drei Dienstmädchen, ein Diener und ein Kutscher mussten überwacht und geleitet werden, und an Sonn- und Feiertagen zeichnete sie für die Festtafel der Familienfeiern bei der „Großmamme“ verantwortlich – keine leichte Aufgabe, aber eine ausgezeichnete Lebensschule.

Basel musste der gebürtigen Freiburgerin wie „Klein-Paris“ vorgekommen sein: 
Madame Gemuseus ließ sie in Französisch und Literatur unterrichten, Vorträge, Konzerte und Theateraufführungen besuchen und überließ ihr schon sehr bald auch die Fürsorge ihrer Schützlinge, der Armen und Kranken der Stadt. In der großen Gemuseus’schen Familie passierte vielerlei, und eben dann, wenn Basel von den oft schwierigen Dingen innerhalb dieses selbstbewussten Kreises von Aristokraten nichts erfahren sollte, war es gut, diese „zuverlässige und aimable Person“ bei der „Großmamme“  zu haben.

Mit dem Tod der „Großmamme“ im Jahre 1879 schloss sich das alte Haus, in dem Fanny Mayer über ein Jahrzehnt ein behütetes und fast verwöhntes Leben geführt hatte. Fanny erzog darauf die Kinder der Enkelin Mylius bis sie, mitten im Winter und über Umwege, die Nachricht vom Kindbettfieber ihrer Schwägerin, der Frau des Wirts einer ärmlichen Wirtschaft auf dem höchsten Berg des Schwarzwalds, in Basel erreichte.

Nach Basel wird Fanny Mayer nicht zurückkehren, ihr Leben wird ein anderes werden, ein Leben für das mutterlose Kind, das „Oskärli“, und ein Leben für die Gastlichkeit des Feldbergs. Sie wird zum Aushängeschild des Schwarzwalds, zur Skipionierin für ganz Mitteleuropa und zur größten Arbeitgeberin der Region werden.

Und wenn sie in den ersten Wochen ohne Bedauern die Schere nimmt und ihre eleganten, gestärkten Basler Volantunterröcke mit der feinen Schweizerstickerei zerschneidet und zu Kopfkissen für die Gästebetten verarbeitet, denkt sie an Basel und die dort erfahrene Lebensschule. Wenn dann noch das Basler Fuhrwerk seinen Weg über Waldshut, St. Blasien den Feldberg hinauffindet und die vererbten Gemuseus’schen Möbel abladet, ist dies der Anfang ihrer großen Leidenschaft – die des Erweiterns und des Einrichtens eines Berghotels größten Stils, in der sich jeder, der seinen Fuß über diese gastliche Schwelle setzt, heimisch fühlen wird.

Fannys „Oskärli“, Oskar Joseph Mayer, war der erste Mensch, der auf dem Feldberg zur Welt kam. Er wurde am 18. Februar 1851 als Sohn des Feldbergwirtes und seiner aus Bernau stammenden Frau Veronika geb. Bregger geboren.

Oskar Mayer war ein Gastronom von hohem Ansehen. Er zählt zu den Pionieren und Förderern des Fremdenverkehrs im Schwarzwald: Als erster deutscher Skispringer nahm er an Wintersportveranstaltungen in der Schweiz teil und errang dabei den ersten Preis für den weitesten und schönsten Sprung. Er veranstaltete auf dem Feldberg Skirennen, brachte Rentiere auf den Feldberg  und machte den Winter mit neuen Ideen immer attraktiver.

Romanbeschreibung "Winteräpfel"

"Am Feldberg fand sie ihre Lebensaufgabe" - Artikel der Badischen Zeitung vom 07.04.2001

"Aus Telemarken kamen die ersten Skier" - Artikel der Badischen Zeitung

"Nur Mut, es wird schon gehen - Eine Institution feiert Jubiläum: 150 Jahre Gastgebertradition auf dem „Feldberger Hof“ im Schwarzwald" - Artikel der Badischen Zeitung vom 26.06.2014

Der Feldberg

„Dieser geheimnisvolle, sagenumwitterte Berg, auf dem im Winter eisige Stürme toben und die Vegetation mit den Naturgewalten ringt, übt mit seiner atemberaubenden Fernsicht vom Mont Blanc bis zur Zugspitze und über den ganzen Südschwarzwald zu den Vogesen, dem Kaiserstuhl, Straßburg mit seinem Münster, zur Schwäbischen Alb und dem Hegau großen Zauber auf mich aus." Heidi Knoblich

Heidi Knoblichs Artikel "Der Feldberg" können Sie hier lesen.